Schulkonzept

Der Leitgedanke unserer Schule ist:
Vielfalt als Chance.

Das heißt, dass wir überzeugt sind:

• dass sechsjährige Kinder mit sehr unterschiedlichen Fähigkeiten, Kenntnissen, Lern- und Lebenserfahrungen und Möglichkeiten in die Schule kommen.

• dass Kinder und Erwachsene voneinander lernen können in Hinblick auf Wissen, auf Kultur, auf soziale Verhaltensweisen.

• dass jedes Kind anders ist als jedes andere und sich dies eher zu zeigen traut, wenn Heterogenität Prinzip ist.

• dass Lernen ein aktiver und individuell unterschiedlicher Vorgang ist, den Lehrer anregen, unterstützen, begleiten und verstärken können, der aber immer eine Leistung des Lerners selbst bleibt.

Das Konzept

In der Clara-Grunwald-Schule haben wir die Vorstellung von Jahrgangsklassen aufgegeben. Stattdessen lernen unsere Kinder in altersgemischten Klassen V/1/2 und 3/4.

Eine solche Unterrichtorganisation ist hilfreich dafür,

• dass jedes Kind seinen Fähigkeiten, seinem Lernstand und seinen Interessen gemäß gefordert und gefördert wird.

• dass Kinder auch von Kindern lernen, so können – um ein simples Beispiel zu nennen – die älteren Kindern den jüngeren, die noch nicht lesen können, Arbeitsanweisungen vorlesen oder Hilfestellung beim Schreiben geben.

• dass wir PädagogInnen sensibel dafür sind und bleiben, dass Kinder unterschiedliche Lernangebote brauchen, wenn sie ihre Lernmöglichkeiten ausschöpfen wollen und sollen.

• dass Kindern nicht auf der einmal eingenommenen Rolle beharren müssen, sondern sich selbst in verschiedenen Rollen erleben und ausprobieren können (z.B. vom Neuling und Wenigkönner zum „alten Hasen“ und Richtungsbestimmer).

• dass Kinder erleben, was sie in der eigenen Familie oft nicht mehr erleben, nämlich das Miteinander von Kindern verschiedenen Alters.

• dass die schon in der Schule/ Klasse befindlichen Kinder den neu dazugekommenen die Regeln und Rituale nahe bringen, sie behutsam darin einführen, aber auch ihre Sinnhaftigkeit erklären und die Kleinen in die neue – manchmal bedrohliche – Lebenswelt Schule einführen.

Die Umsetzung

Unsere Schule teilt sich in fünf „Kontinente“, die aus je zwei Klassen V/1/2 und zwei Klassen 3/4 zusammengesetzt sind. Je eine Klasse V/1/2 und eine Klasse 3/4 arbeiten eng zusammen, auch teilen sie sich einen gemeinsamen Gruppenraum. Die Kontinente sind mit multiprofessionellen Pädagogenteams „besetzt“ (Erzieher, Sozialpädagogen, Grundschulpädagogen, mdst. ein Sonderpädagoge).

Damit wir tatsächlich individualisierend unterrichten können, überwiegen Unterrichtsformen wie Werkstatt- und Stationenlernen, Projektunterricht und Wochenplanarbeit. Gespräche und gemeinsames Lernen haben unter anderem im täglichen Morgenkreis ihren festen Platz. Expertensysteme (ein Kind führt alle anderen Kinder in eine bestimmte Arbeitsaufgabe ein), aber auch andere Helfersysteme gewinnen zunehmend an Bedeutung. Natürlich werden auch Gruppen zusammengestellt, in denen bestimme Lernfelder lehrgangsartig eingeführt werden (z.B. die Hundertertafel in Mathematik). Diese Gruppen sind meistens Jahrgangsgruppen. Englisch etwa wird fast noch überwiegend in Jahrgangskursen unterrichtet.

Die oben aufgeführten Vorteile des jahrgangsübergreifenden Lernens gegenüber dem jahrgangsorientieren Lernen lassen sich nicht in letzter Konsequenz quantitativ nachweisen. Dennoch gibt es ein paar Fakten, die diese Annahmen untermauern können (neben den täglichen Beobachtungen, die wir in unserem Unterricht machen):

Das „Springen“ von einer Jahrgangsstufen in die nächsthöhere ist an unserer Schule ein sehr viel häufigeres Phänomen als in anderen Grundschulen.

Die Zurückstellung von Kindern im Einschulungsalter ist an unserer Schule kein Thema. Wir nehmen alle sechsjährigen Kinder in Klasse 1 auf und behalten sie (falls dies sinnvoll erscheint) drei Jahre in der Klasse V/1/2 (bzw. vier, wenn sie bereits als Fünfjährige zu uns kommen).

Genauso wenig Probleme bereitet uns die vorzeitige Einschulung.

Kinder, die schnell lernen (vielleicht auch nur in einigen Bereichen), können in ihrer Jahrgangsstufe bleiben und mit dem Lernstoff der älteren Kinder arbeiten.

Beobachter von außen erwähnen immer wieder die relativ friedliche Atmosphäre unter den Kindern.

Dennoch ist die jahrgangsübergreifende Organisation zunächst nur wichtige Voraussetzunng, aber noch nicht Garant für wirklich an den Lernbedürfnissen der Kinder orientierten Unterrichtsangeboten.

Wichtiger Grundsatz ist daher, dass wir als LehrerInnen unsere Kompetenz in allen Bereichen schulischer Förderung erweitern und unsere Arbeit kritisch begleiten: So

• arbeiten wir im Schulversuch „Alles Könner“ mit. In diesem Schulversuch sind Schulen verbunden, die gemeinsam mit dem gesamten Kollegium Unterricht entwickeln und entsprechende Leistungsrückmeldeformate bereitstellen.
• haben wir einen Pool von (Unterrichts)materialien zusammengestellt für Kinder, die noch nicht lesen und schreiben können.
• haben unsere Sonderpädagoginnen die Möglichkeit und die Verpflichtung, in Klassen zu hospitieren und KollegInnnen in bezug auf den Umgang mit lernschwachen oder problematischen Kindern zu beraten.
• wird in allen Klassen regelmäßig die HSP (Hamburger Schreibprobe) , der HaRet, der Stolperwörtertest und andere Diagnoseverfahren durchgeführt, um Erkenntnisse über die Lernentwicklung unserer Kinder in der Rechtschreibung zu gewinnen.
• werden Hospitationen von KollegInnen bei KollegInnen in anderen Klassen (und anderen Schulen) gern gesehen und häufiger, wenn auch noch nicht regelhaft, durchgeführt.
• finden verbindliche Team- und Flurkonferenzen, auf denen regelmäßig Förderpläne und Fördermaßnahmen geplant werden, einmal pro Woche statt.
• gehört unsere Schule zu einem Verbund „begabungsfördernder“ Schulen.
• machen wir vor Schulantritt einige Angebote für Eltern und Kinder unsere Schule kennenzulernen. So können Eltern vor Schulantritt ihrer Kinder in einer Klasse V/1/2 hospitieren, es gibt die Möglichkeit, einen Tag in einer unserer Klassen gemeinsam mit der KiTa-Gruppe zu verbringen, und die Eltern werden auf einem Informationsabend in das Konzept eingeführt.